Wer in einem älteren Haus über eine Wärmepumpe nachdenkt, beschäftigt sich meist zuerst mit dem Gerät selbst: Luft-Wasser oder Sole-Wasser, Leistung, Aufstellort. Dabei entscheidet sich ein großer Teil der späteren Effizienz an einer ganz anderen Stelle, nämlich an der Gebäudehülle. Fenster spielen dabei eine besondere Rolle, weil sie in vielen Bestandsgebäuden die Bauteile mit dem schlechtesten Wärmeschutz sind.
Warum die Vorlauftemperatur so wichtig ist
Eine Wärmepumpe hebt Umweltwärme auf ein höheres Temperaturniveau. Je geringer der Abstand zwischen Wärmequelle und benötigter Heizwassertemperatur, desto weniger Strom braucht der Verdichter für dieselbe Wärmemenge. Diese Temperatur, mit der das Heizwasser in die Heizkörper fließt, heißt Vorlauftemperatur. Alte Heizkessel liefen häufig mit 70 Grad und mehr. Für eine Wärmepumpe gelten deutlich niedrigere Werte als günstig, oft wird eine maximale Vorlauftemperatur von etwa 55 Grad als Orientierung genannt.
Wie hoch die Vorlauftemperatur sein muss, hängt davon ab, wie viel Wärme ein Raum verliert und wie groß die Heizfläche ist, die diese Wärme abgeben kann. Sinkt der Wärmeverlust, reicht eine niedrigere Temperatur. Genau hier kommen die Fenster ins Spiel.
Fenster als Schwachstelle im Bestand
Der Wärmeschutz eines Fensters wird mit dem U-Wert beschrieben, angegeben in Watt pro Quadratmeter und Kelvin. Je kleiner der Wert, desto weniger Wärme geht verloren. Einfach verglaste Fenster aus der Nachkriegszeit und frühe Isolierglasfenster liegen weit über dem, was heute verbaut wird. Moderne Zweifach-Wärmeschutzverglasung und vor allem Dreifachverglasung erreichen erheblich niedrigere Werte. Passivhausfenster sind darauf ausgelegt, dass auch am Glasrand und am Rahmen kaum Wärme entweicht.
Neben dem U-Wert zählt die Luftdichtheit. Undichte Fugen zwischen Flügel und Rahmen oder zwischen Rahmen und Mauerwerk lassen warme Luft unkontrolliert entweichen. Das erhöht den Wärmebedarf und sorgt für Zugluft, die man oft mit höheren Raumtemperaturen ausgleicht.
Was sich mit neuen Fenstern ändert
- Geringere Heizlast: Der Raum verliert weniger Wärme, die Heizkörper müssen weniger leisten.
- Niedrigere Vorlauftemperatur möglich: Bei gleicher Heizkörpergröße reicht oft weniger Temperatur, um den Raum warm zu halten.
- Höhere Oberflächentemperatur am Glas: Kalte Scheiben senken die gefühlte Temperatur im Raum. Wärmere Glasflächen erhöhen die Behaglichkeit.
- Weniger Zugluft: Dichte Fenster verhindern unangenehme Kaltluftströme in Fensternähe.
Die richtige Reihenfolge bei der Sanierung
Ob die Fenster vor oder nach der Wärmepumpe getauscht werden sollten, lässt sich nicht pauschal beantworten. Sinnvoll ist aber, die Wärmepumpe auf den künftigen Zustand des Hauses auszulegen. Wird zuerst die Heizung getauscht und danach die Hülle verbessert, kann die Anlage am Ende überdimensioniert sein. Ein zu großes Gerät taktet häufiger, also schaltet öfter ein und aus, was Effizienz und Lebensdauer schaden kann.
Einen guten Überblick darüber, welche Rolle Heizkörper, Dämmung und Vorlauftemperatur im Bestand spielen, gibt dieser Ratgeber zu den Voraussetzungen für die Wärmepumpe im Altbau. Dort wird auch beschrieben, wie sich mit einem Test bei abgesenkter Vorlauftemperatur prüfen lässt, ob das Haus bereits geeignet ist.
Ein individueller Sanierungsfahrplan, wie ihn Energieberater erstellen, hilft dabei, die Maßnahmen zeitlich abzustimmen. Für die Energieberatung für Wohngebäude gibt es eine staatliche Förderung, über die das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle informiert.
Worauf beim Fenstertausch zu achten ist
- U-Wert des gesamten Fensters prüfen: Entscheidend ist der Uw-Wert für Rahmen und Glas zusammen, nicht nur der Wert der Verglasung.
- Einbau ernst nehmen: Ein hochwertiges Fenster verliert seine Wirkung, wenn die Anschlussfuge nicht luftdicht und schlagregendicht ausgeführt ist. Üblich ist ein Einbau nach dem Prinzip „innen dichter als außen“.
- Lüftung mitdenken: Dichte Fenster verringern den unkontrollierten Luftaustausch. Damit sich keine Feuchtigkeit im Raum ansammelt, muss geregelt gelüftet werden. Bei umfangreichen Sanierungen ist ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 vorgesehen.
- Wandanschluss prüfen: Ist die Außenwand ungedämmt, kann die Fensterlaibung nach dem Tausch die kälteste Stelle werden. Wer später eine Fassadendämmung plant, sollte die Lage der Fenster in der Wand darauf abstimmen.
Fenster und Wärmepumpe zusammen denken
Neue Fenster allein machen aus einem unsanierten Altbau kein Niedrigenergiehaus. Sie sind aber ein Baustein, der die Voraussetzungen für eine effiziente Wärmepumpe spürbar verbessert, besonders wenn die alten Fenster undicht sind oder nur einfach verglast. In Kombination mit größeren Heizkörpern in einzelnen Räumen, einem hydraulischen Abgleich und einer sorgfältig eingestellten Heizkurve kann die Vorlauftemperatur so weit sinken, dass die Wärmepumpe im Altbau wirtschaftlich arbeitet. Wer die Schritte aufeinander abstimmt, vermeidet doppelte Arbeit und eine falsch dimensionierte Anlage.